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März 2012: dripping beim Lautsprecher

Das Klangkunstprogramm MO Lautsprecher spielt im März 2012 mein Stück dripping.

27. März 2012: Die Haarschublade

WDR5 sendet um 20:05 Uhr das Hörspiel "Die Haarschublade".

Frühjahr 2011/12: Der Dicke

4. Staffel der ARD-Fernsehserie.

13. Mai 2012: Die Haarschublade

Wiederholung des Hörspiels auf SR2 Kulturradio.


Klang Lesen

Bernie Krause – Wild Soundscape

Tonaufnahmen in der Natur blicken auf eine kurze Geschichte zurück: bis in die späten 1960er Jahre wurden sie nur von einigen Biologen gemacht, die sich für die akustische Kommunikation in der Tierwelt interessierten. Die mobilen Aufnahmegeräte waren schwer und anfällig für Defekte im Ausseneinsatz. Dies änderte sich nicht nur durch die technischen Fortschritte in der Aufnahmetechnik, sondern auch durch die Veröffentlichung einer kommerziellen Platte mit den Gesängen von Buckelwalen (aufgenommen von Roger und Katy Payne), die eine bis dahin für Naturaufnahmen nicht gekannte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erlangte. Roger Payne selber schrieb das Vorwort zu diesem Führer für Naturtonaufnahmen des bekannten amerikanischen Bioakustikers Bernie Krause, der in der Folge von Payne bald die Standards für hochklassige Umweltaufnahmen in der Natur setzte. Seit dieser Zeit hat Krause zahllose Alben mit exzellenten Aufnahmen aus der ganzen Welt veröffentlicht. Er beansprucht für sich, die größte private Sammlung an Naturaufnahmen zu haben, die zusammen mehrere tausend Stunden ergeben. Einige der besten Aufnahmen können über seine Webpage Wild Sanctuary erworben werden.

Krause wurde durch die Schriften des kanadischen Komponisten R. Murray Schafer beeinflusst, der den Begriff „soundscape“ in den 1960er Jahren prägte und die veränderte Wahrnehmung unserer Umwelt durch Verstädterung und Industrialisierung untersuchte. Aus dem Bedürfnis, die akustische Diversität von Ökosystemen zu bewahren, entsprang die Idee der akustischen Ökologie. Das Problem ist, schreibt Krause, dass die natürlichen „Symphonien“ ertränkt werden im menschlichen Lärm. „Früher brauchte ich 10 bis 15 Stunden, um eine Stunde brauchbaren Materials einzufangen, heute benötige ich dafür 2000“, sagt Krause. Sogar in sehr abgelegenen Regionen ist es nahezu unmöglich geworden, der Natur ungestört zuzuhören.

Krause erfand zwei Wörter, um sein akustisches Konzept von „wild natural“ (er mag nicht das Wort Natur, das seiner Meinung nach abgegriffen ist und zu der Dichotomie des „wir/es“ geführt hat) zu beschreiben: „biophony“ beschreibt eine soundscape, die sich aus den von Lebewesen erzeugten Klängen in einem bestimmten Habitat zusammensetzt, während „geophony“ aus den Klängen nichttierischen Ursprungs wie Flüssen, Wind, Erdbeben oder Gewittern besteht. In diesem Konzept ist jedes menschliche Geräusch eine Störung, die es zu vermeiden gilt. Interessant ist, dieses Gedankenmodell mit dem Konzept eines anderen herausragenden Tonmanns zu vergleichen, dem Briten Chris Watson, der mit David Attenborough an dessen Naturdokumentationen für die BBC arbeitete und einige großartige CD-Veröffentlichungen bei Touch herausgebracht hat. Chris Watson unterscheidet drei Ebenen von Klang in der Natur: Atmosphäre, Habitat und Spezies. Danach ist Atmosphäre das unauffällige Bett an Klängen im Hintergrund, sei es das konstante Rauschen des fernen Verkehrs, das Summen der Air Conditioning oder der Wind in den Blättern. Das Habitat stellt die generelle Sound-Signation eines Ortes dar, Klänge, die sich in einer mittleren Distanz zum Hörer befinden und einen Ort unverkennbar machen. Spezies schließlich ist das spezielle Tier (oder Auto, oder Stimme etc.), die in der Aufnahme im Mittelpunkt steht. In Watson’s Ansatz gibt es kein Urteil über die Qualität der einzelnen Elemente einer soundscape, er schließt menschliche Geräusche bewusst in sein Konzept ein, Krause hingegen versucht sie zu vermeiden. Watson’s praktische Herangehensweise konzentriert sich auf einzelne Klangquellen, die ihn zu bestimmten Entscheidungen bezüglich der Perspektive und Auswahl im Aufnahmeprozess führt, während Krause sich für die generelle Atmosphäre interessiert, der unverfälschten und reinen Erfahrung eines natürlichen Ortes. Mit Paul Shepard argumentiert Krause: „natural sound patterns are highly musical but require a sensitivity to the aural world on the listener’s part which I believe we no longer possess in Western culture, even though it may have been active at some point in our species development and still remains so in some remote forest-dwelling groups or as a distant hidden mark somewhere in our chromosome material.“ Und weiter: „I retreated increasingly to places where I could record in the wild natural, locations where serenity and peace existed in an otherwise tumultuous world. Gradually, I ventured further and further away from human noise into habitats completely filled with creature song. Only there did I feel relaxed and more complete. I began to feel a sense of the divine I had never experienced within the walls of a church or synagogue or mosque. It was a place filled with the innocence of exquisite chaos. No definition of sin, guilt, or redemption and yet it was part of the community of life to which I was beginning to feel essentially re-attached, a feeling our pre-historic ancestors must have known long ago. I felt alert and connected to all of the organisms around me even though I didn’t completely understand - then or now - how it all works. The natural world taught me that I didn’t need to understand its permutations to know that it’s the source of my life.“

In „Wild Soundscapes“ erklärt Bernie Krause die Grundlagen des Hörens, der Akustik und die technischen Erfordernisse für Tonaufnahmen in der Natur. Für den Anfänger ist dieser Führer sicherlich ein guter Einstieg, man stelle sich allerdings nur vor, die Aufforderungen dieses Buches würden zu einer Massenbewegung werden, dann wäre das Anliegen von Krause schnell ad absurdum geführt und eine Welle von Naturtonmenschen würde eben jene Umwelt bevölkern, die der Autor eigentlich vor dem menschlichen Zugriff schützen will. Am Ende müssen wir Flugzeuge, Autos und andere lärmende Transportmittel benutzen, um einen Flecken unberührte Natur zu entdecken.




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