Theo van Leeuwen – Speech, Music, Sound
Theo van Leeuwen arbeitete als Fim- und TV-Producer and spielte Jazz, bevor er Linguistik studierte und schließlich zum Dekan der Sozialwissenschaften an der Universität von Sydney wurde. Er ist heute einer der Vordenker für die Theorien der sozialen Semiotik. Trotz dieses akademischen Hintergrundes ist sein Buch „Speech, Music, Sound“ leicht zu lesen (im Englischen) und voller illustrativer Fallbeispiele für das Zusammenwirken der üblicherweise getrennt betrachteten Spheren Sprache, Musik und Geräusch. Er stellt die einfache Frage, was Klang uns ‚sagen’ kann und wie wir interpretieren können, was andere durch Klang kommunizieren. Diesen Forschungsbereich nennt er die Semiotik von Klang. Die Vermittlung von Bedeutung durch Sprache, Musik und Geräusche wird unter den Gesichtspunkten der Klangperspektive, des zeitlichen Verlaufs, Interaktion, Melodie, Stimmqualität und Timbre untersucht und mit vielen Beispielen aus der klassischen Musik, Film Sound Design, Hörspiel, Soundscape oder Werbung untermalt. Es ist spannend zu erfahren, wie Klang soziale Distanz oder Intimität vermitteln oder wie die sequentielle Abfolge oder Gleichzeitigkeit von Sprache Dominanz und Macht ausdrücken kann. Einige der Beispiele erscheinen nicht wirklich neu, aber viele der Ideen von van Leeuwen sind anregend und inspirierend. In den beiden letzten Kapiteln erläutert er, wie er in diesem Buch mit der ‚metafunctional hypothesis’ des Linguisten Michael Halliday, die er schon in seiner vorherigen Publikation „Reading Images“ (gemeinsam mit Gunther Kress) auf visuelle Kommunikation anwand, in ähnlicher Weise die klangliche Kommunikation untersuchen wollte. Van Leeuwen muss schließlich zugeben, dass diese Theorie-Übertragung in dem Bereich der Klänge nicht ganzheitlich funktioniert und daher auch keine Theorie der Semiotik von Klang erwartet werden kann, trotzdem hofft er, mit seinen Gedanken zum eigenen ‚Lesen’ von akustischen Informationen zu ermuntern. Mir fehlten einige wichtige Gedankenansätze, beispielsweise die Mustererkennung im Bereich der Musik bezüglich der Genrezuordnung oder das Erkennen von Musiker- oder Producer-Handschriften, aber das hindert dieses Buch nicht daran, für einen an Musik und Klang interessierten Menschen eine anregende Lektüre darzustellen.
Hier ein Interview mit dem Autor, das allerdings etwas akademischer ausgefallen ist.