David Rothenberg & Marta Ulvaeus – The Book of Music & Nature
Dieses Buch versammelt Texte einer ganzen Bandbreite von Autoren, unter anderem Rainer Maria Rilke, John Cage, R. Murray Schafer, Steve Lacy, Michael Ondaatje, Pauline Oliveros, David Toop, Francesco Lopez, Toru Takemitsu and Bernie Krause, um nur einige zu nennen. Hier liegt das Problem dieser Publikation: durch die Verschiedenartigkeit der Beiträge scheint das Buch seinen Fokus zu verlieren. Alle möglichen Textformen kommen zum Einsatz - Interview, Essay, Collage, Projektbeschreibungen usw. – und der Bezug zur Natur ist so weit gefasst, dass das Anliegen dieses Buches ein wenig willkürlich wirkt. Das beginnt schon mit der Einführung von David Rothenberg, der, wie ich denke, nichts weiter als übliche Stereotypen über die Beziehung von Musik und Natur zusammenträgt und wenig neue Erkenntnisse bringt. Nichts desto trotz kann das Buch einen guten Einstieg in die Gedankenwelten einiger der versammelten Komponisten und Schriftsteller bieten. In diesem Sinne fand ich beispielsweise den Essay „Lift-up-over sounding“ von Steven Feld äusserst interessant und bietet einen guten Überblick über seine Forschungen in Papua-Neuginea (man könnte dann weiterlesen in seinem Buch „Sound and Sentiment“). Desillusionierend und ungewöhnlich offenherzig hingegen kommt das Interview mit Pierre Schaeffer daher, das Tim Hodgkinson führte und in dem der Mitbegründer der Musique Concrete über seinen Hass gegenüber der Rockmusik spricht, die seine Tochter hört. Er lässt sich in diesem Interview gar zu der Aussage verleiten, dass die barbarischen Zeiten, in denen wir leben, doch irgendwann kollabieren und von einer neuen Renaissance abgelöst werden mögen. Überraschenderweise betrachtet er die Musique Concrete nicht als Musik sondern als eine Klangstruktur und sich selbst mehr als einen Forscher denn als Musiker oder Komponist. So mag das Buch zumindest in einer Richtung hilfreich sein: es entlarvt Schaeffers Denken als extrem technisch und restriktiv und wirft ein neues Licht auf die gedanklichen Beschränkungen, die seine „Traité des objets musicaux“ durchziehen (dies wird ausführlich diskutiert in dem hervorragenden Buch von Jean-Jacques Nattiez: Music and Discourse, S. 91 – 101). Sein historischer Status als bedeutender Musiktheoretiker wird dadurch keinesfalls angefochten, nur wird klar, dass sein Denken heute doch sehr eng und wenig zeitgemäß wirkt.
David Rothenberg schrieb einen Essay über die sich gegenseitig befruchtenden Spheren Musik und Natur für die new music box.