Phonografische Töpferware
Meine erste Begegnung mit einem Podcast von
Radiolab, einem Programm des in New York ansässigen Rundfunksenders WNYC, war eine Episode mit dem Namen
Staying Alive. Es geht darin um ungewöhnliche Wege, am Leben zu bleiben, und wenn der Podcast schließlich einen Wissenschaftler zitiert, der behauptet, Tausende Jahre alten Stimmen mit einem grammophonartigen Tonabnehmer wiedergeben zu können, die als Schallwellen in den Rillen antiker Töpferwaren eingefangen wurden, musste ich lauthals lachen. Die Idee zu dieser eigenartigen Form der "Paleoakustik" ist natürlich ein Aprilscherz, der auf eine lange Geschichte von Erwähnungen in pseudowissenschaftlichen Veröffentlichungen und Science-Fiction-Romanen zurückgeht (mehr über diese "urbane Legende" kann man
hier erfahren). Der Podcast endet mit einem Besuch in einem Erste-Hilfe-Kurs, wo es um die Problematik geht, den richtigen lebensrettenden Rhythmus zu finden (die Pointe möchte nicht verraten...).
Das besondere an den Podcasts von Radiolab ist der ganz eigene Ton, den die Macher treffen: ein von Neugier geprägtes und sich immer wieder ironisch in Frage stellendes Suchen nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens, wobei die Grenzen zwischen Wissenschaft und Philosophie verwischt werden. Das kann dann an einigen Stellen extrem komisch werden wie in dem Podcast über Sperma (
why so many sperm?) oder ernst und reflektierend wie in den 11 Meditationen über das Wie, Wann und Warum des Sterbens (
after life). All diese Gedanken werden kongenial von einem großartigen Sound Design getragen und verstärkt. Der Podcast über den Moment des Sterben inspirierte sogar den Filmemacher Will Hoffman zu diesem fantastischen kleinen Video über Momente des Lebens...