Audio löschen mit Christoph Korn
Im Juni 2008 auf einem Symposium über experimentelle Radiokunst lernte ich die konzeptuellen Arbeiten von Christoph Korn kennen. Seit drei Jahren beschäftigt er sich mit automatisierten Auslöschungsprozessen. Er präsentierte ein Stück, dass später in dem Jahr vom HR3 gesendet wurde und im Grunde eine invertierte Version von Alvin Lucier's "I'm sitting in a room" darstellt. Anstatt den Ton in den Raum zurückzuspielen, programmierte Korn ein MAX/MSP Patch, das automatisch Fragmente eines gesprochenen Textes löschte, der dem Alvin Luciers sehr nahe kam. Nach etwa 15 min. bestand das Stück nach etlichen Durchläufen aus nichts weiter als Stille. Ein ähnliches Konzept, nur über eine viel längere Zeitperiode, verfolgte Christoph Korn in seinem Projekt "Waldstück", das auf einer 24-stündigen Tonaufnahme aus einem Wald nahe des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau basiert. Die Aufnahme wurde auf einen Web Server transferiert und wird seitdem sukzessive ausgelöscht, nach dem Zufallsprinzip durch eine Computerprogrammierung. Der Löschvorgang begann am 5. Februar 2008 und wird in drei Jahre nichts als Stille zurücklassen. Ein Protokoll des Verschwindens, mag man sagen, über die Unmöglichkeit, weder etwas sagen zu können oder auch nichts zu sagen.