Eisgeflüster
Gletschereis besteht aus Schnee, der unter enormen Kräften zusammengepresst wird. Im Falle des Inlandeises von Grönland kann sich dieser Prozess über Jahrtausende oder gar Millionen hinziehen, bis das Eis über einem Gletscher ins offene Meer gedrückt wird. Während sich die Schneeschichten aufhäufen, werden kleine winzige Luftblasen eingeschlossen und extrem komprimiert unter der Last der sich auftürmenden Eisschichten. Taut dieses Gletschereis schließlich im Meereswasser auf, werden die Luftbläschen mit einem kleinen poppenden Geräusch freigesetzt, dass sich zu einem vielstimmigen Knistern verbindet. Die in den arktischen Gewässern treibenden Eisberge geben ein konstantes Eisknistern von sich, das laut genug ist, um ihre Position unter Wasser zu bestimmen. Das Phänomen wurde zuerst von den Besatzungen von U-Booten entdeckt und bald mit dem Spitznamen „bergy seltzer“ belegt, wegen der akustischen Ähnlichkeit zu dem Geräusch von Sprudel.
Das Tonbeispiel habe ich in Grönland 2006 aufgenommen. I fischte einige Eisbrocken von Eisbergen aus dem Meereswasser und bewahrte sie in einer Plastiktüte für einige Stunden in einer Bar auf, bevor ich sie in der Badewanne des Hotelzimmers zum Schmelzen brachte (das Gletschereis ist so kalt, dass es selbst bei normaler Zimmertemperatur äußerst langsam schmilzt). Die Aufnahme entstand mit einem Unterwassermikrofon, später habe ich noch Noisereduction und einen Transient Designer angewendet, um den Sound herauszuarbeiten. Die Klänge sind Teil der Komposition frost pattern.