Dispersion von Schallwellen in Eisflächen
Diese Aufnahme entstand im Winter 2005 am Liepnitzsee in der Nähe von Berlin. Zugefrorene Seen geben die meisten Geräusche von sich während großer Temperaturschwankungen: das Eis expandiert oder zieht sich zusammen und die daraus resultierenden Spannungen erzeugen Risse im Eis. In den Morgen- oder Abendstunden ist daher die Wahrscheinlichkeit am größten, diese typischen Eisgeräusche zu hören. Nach meiner Erfahrung ist besonders dünnes Eis interessant für solche Klangeffekte: es ist elastischer und die Geräusche werden besser über die Eisfläche transportiert. Schnee hat dagegen eine dämpfende Wirkung. Die Eisfläche verhält sich wie eine riesige Membran, über die sich die peitschenden Töne ausbreiten (mehr hier zur Akustik von Eisflächen). Für die Aufnahmen haben sich Unterwassermikrofone am besten bewährt: man bohrt ein kleines Loch in die Eisfläche, in das die Mikrofone eingelassen werden und nahe an der Oberfläche verbleiben. Der erstaunliche „Lasergun“-Effekt dieser Aufnahmen wird durch die Dispersion der Schallwellen in der Eisfläche erzeugt: hohe Frequenzen pflanzen sich schneller als tiefe in der Eisfläche fort und gelangen mit einer gewissen Zeitverzögerung zum Hörer. Dadurch entsteht der Glissandi-Effekt, der die Töne sprichwörtlich ins Bodenlose fallen lässt. Die Aufnahme ist Teil meiner Komposition frost pattern, die im Juni 2010 beim deutschen Label Gruenrekorder erscheinen wird.